Wellige GefĂŒhleđŸ€—

Der 7. Dezember wird mir ja wohl in Erinnerung bleiben bis zum Ende meiner Tage, meine GefĂŒhle und mein Körper wurde hart auf die Probe gestellt. 😉
Morgens ganz frĂŒh gab es einen Landgang bei der zweitgrössten Pinguinkolonie. Das war ganz unglaublich und ich hatte TrĂ€nen des GlĂŒcks, all das erleben zu dĂŒrfen.😍
SpĂ€ter dann, das Wetter verschlechterte sich, war keine Anlandung mehr möglich und der KapitĂ€n bat uns zur Lagebesprechung in die Lounge.đŸ€”
Er erklĂ€rte, dass das Wetter nicht mehr besser wĂŒrde und wir unseren Standort, die SĂŒdgeorgischen Inseln, verlassen um einen Tag frĂŒher Richtung Elephant Island aufzubrechen.😌
Wir freuten uns, bis er sagte, dass alles Gute auch immer was schlechtes beinhaltete. Man hörte vereinzelt ein Lachen, der KapitĂ€n prĂ€zisierte, mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht, ihr habt eine Abenteuerreise gebucht, die sollt ihr bekommen…uh, da wurde ich dann schon misstrauisch. 😉
Über die Leinwand flimmerte eine Seekarte, auf der ein grosser roter Punkt zu sehen war. Um den Punkt herum gabs orange Kreise, nach aussen hin wurden diese immer heller, Es war rasch allen klar, dass das nichts gutes verhiess und der KapitĂ€n so: Ja, wir schippern jetzt langsam die geschĂŒtzte Nordseite hinunter, langsam, damit sie noch eine letzte Mahlzeit zu sich nehmen können (schluck) und spĂ€ter am Abend, wenn alles Geschirr weggerĂ€umt ist, laufen wir auf die offene See aus und uns erwartet ein Sturmtief mit WindstĂ€rke 8 und Wellenhöhen um die 8 Meter, aber sie schlafen ja dann – ohoh, das war keine gute Nachricht, ich erinnerte mich, wie es mir ging bi 4m- Wellen. :-(
Nun denn, es wurde Abend, wir haben alle schön brav die Kabinen aufgerĂ€umt und die SchranktĂŒren eingeklickt, haben zu Abend gegessen und die meisten von uns haben sich frĂŒh ins Bett verabschiedet – ich inklusive. SpĂ€ter hörte ich, dass sich ein hartes GrĂŒppchen inkl. dem Pianisten in der oberen Bar getroffen und „My Bonny is over the Ocean“ gesungen hat. Aber item, ich lag also im Bett, es schaukelte schon ganz schön stark, ich versuchte zu lesen, löschte aber relativ rasch das Licht, ich wollte das Elend verschlafen.😌
Uh, im dunkeln wurds ganz schön gruselig, man hörte so ein TitanicmĂ€ssiges Knarren, dann und wann ein leichtes Quiteschen und ich bin sicher, ich hörte das Schiff stöhnen, als es sich gegen die Wellen gestellt hat. Irgendwann bin ich wohl eingedöst, wurde aber bald wieder geweckt, weil ich halb aus dem Bett gefallen bin. Ich bin eigentlich eine Kanten- Seiten- SchlĂ€ferin, rutschte aber schön in die Mitte vom Bett. Beim nĂ€chsten aufschrecken aus dem leichten Schlaf hing bein halber Po zwischen den Betten, sie waren nicht verankert. Also bin ich aufgeschwankt, weil ich grad schon auf war, habe ich mich ins Bad gekĂ€mpft, dort fĂŒrchterlich das Knie angeschlagen, gejammert, bin zurĂŒck in die Kabine gestrauchelt, wurde mit der Welle quer durchs Zimmer bis zum Fenster geschupst, sah die hohen Wellen, drehte mich vor Schreck so schnell um, dass mein Oberschenkel die Stuhlkante erwischte, jammerte noch lauter, schob das Bett zurĂŒck, stĂŒrchelte rund um selbiges und fiel erschöpft auf die weiche Matratze. Uff, ja, es war sonnenklar, wieso wir lieber besser im Bett ausharren sollen.đŸ€•
Wie auch immer, mit einem schmerzenden Knie und einer „BlĂ€uele“ am Oberschenkel wachte ich morgens gerĂ€dert auf, hatte ein etwas flaues GefĂŒhl im Magen und dachte mir, ein kleines FrĂŒhstĂŒck wĂ€re wohl ideal – man soll ja nicht mit ganz leerem Magen sein, hab ich gehört.
Nach einer kurzen, intensiven Schwankdusche gings meinem Magen eher schlechter, aber tapfer kĂ€mpfte ich mich bis in den Esssaal vor, amusierte mich noch ob den SpucktĂŒten, welche die umsichtigen guten Schiffsgeister in die HandlĂ€ufe gesteckt haben, holte mir ein Brötchen, etwas leckere Himbeerconfi und ein StĂŒcklein KĂ€se und setzte mich zum essen hin.
Nach 3-5 Minuten, einem halben Brötchen und einem SchlĂŒckchen Kaffee meinte meine Tischnachbarin Feli, dass ich etwas glasige Augen habe – im Nachhinein hat sie mir gesagt, dass sie mir etwas erzĂ€hlt habe und ich immer mehr durch sie hindurch geschaut hĂ€tte –   und ich verabschiedete mich recht zĂŒgig und trat die Flucht an.đŸƒâ€â™€ïž

Witzigerweise amusierten mich die TĂŒten auf dem RĂŒckweg nicht mehr so, im Gegenteil. Schön, dass es sie gab, mein halbes Schnitteli verabschiedete sich recht abrupt und ging den Weg alles irdischen.
Ich fiel zurĂŒck ins Bett, wo ich dann auch bis Mitte Nachmittag ausharrte.
Die gute Zimmerfee hat ab und zu nach mir geschaut – also eigentlich wollte sie einfach ihre Arbeit im Zimmer machen – und wollte mir Tee bringen, aber allein der Gedanke daran…ich zog die Decke ĂŒber den Kopf.
Meiner Familie schrieb ich kurz per Whats App, dass das einzige, was mich noch am Leben hÀlt, die Aussicht auf die Aussicht ist, die uns erwartet.
Das Gute an so einer Geschichte ist, man hat spĂ€ter was zu erzĂ€hlen und zu lachen – wĂ€re da nicht noch die Drake- Passage, die uns irgendwann noch erwartet, uff.


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